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Bildhauer Manfred Reinhart
Die Kunst Manfred Reinharts orientiert sich an dem hohen Ideal der Ästhetik, wie wir es etwa bei Hegel noch finden: Kunst ist demnach die sinnliche Erscheinung des Absoluten im Schönen. Da das Absolute, das höchste Wesen, das Eines und Alles oder das Göttliche aber an sich nichts Sinnliches ist, ist die Kunst die Überwindung dieses Widerspruchs in der Anschauung der Schönheit. Eine Kunst, die sich diesem Anspruch stellt, muss handwerkliche Meisterschaft, die Idee des Schönen und den Mut zur Aussage in sich vereinen. Manfred Reinhart gelingt dies in seiner Kunst. Sie will nicht provozieren (das kann jeder Dilettant), sondern sie findet zurück zur wesentlichen Aufgabe der Kunst und will produzieren, nämlich Schönheit produzieren.

Dr. Gerhard Hofweber Philosoph, Universität Augsburg
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Skulpturen als Ausdrucksmittel -
Der Bildhauer spricht durch seine Figuren

Willkommen auf meiner Homepage.

Ich freue mich darüber, Ihr Interesse an meinen Arbeiten geweckt zu haben. Auf diesen Seiten zeige ich Ihnen einige von mir geschaffenen Skulpturen.
Um ein Kunstwerk, insbesondere ein dreidimensionales Werk, das meist von allen Seiten ansichtig vom Bildhauer erstellt wurde, besser zu verstehen, sollte der Betrachter das Werk umgehen und aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Distanzen anschauen. Beim Formen "lesen" spielt das Licht und die haptische Wahrnehmung der Oberflächen mit den unterschiedlichen Strukturen eine wichtige Rolle. Ich lade Sie zu mir ins Atelier ein, um sich hier intensiv mit dem Kunstwerk und seiner inhaltlichen Botschaft, auseinanderzusetzen, sowie dabei natürlich auch den Künstler kennenzulernen. Gerne erläutere ich meine Arbeiten und zeige Ihnen wo und wie eine Skulptur entsteht.
Viel Vergnügen beim Betrachten der Bilder.
Wenn Sie mehr erfahren oder Fragen stellen möchten, scheuen Sie sich nicht mit mir Kontakt aufzunehmen

Manfred Reinhart
Betrachten wir die Liebenden: Mann und Frau ineinander verschlungen, nur
zusammen zwei Beine habend, die Arme verschwinden im Körper des
anderen. Zusammen sind sie eins. Aber was ist es, das sie gegenseitig anzieht?
Wieso wollen sich zwei in einem finden?
Platon gibt in seinem Dialog Symposion dazu eine Idee.
Die Menschen, so heißt es, waren ursprünglich nicht in zwei Wesen getrennt,
sondern zwei Wesen in einem, Kugelmenschen. Diese waren ganz und es
fehlte Ihnen an nichts. Sie teilten sich auf in MannMann, WeibWeib
und MannWeib. Da sie aber zum Übermut neigten, schnitt Zeus sie auseinander
und so harren sie seit dem alleine aus, nach der anderen Hälfte verlangend, um
sich mit dieser wieder zu vereinigen.
Was also sind die Liebenden? Die Liebenden sind die, welche die Gegensätze
überwinden und in Schönheit verschmelzen um ganz zu werden.

Dr. Gerhard Hofweber
Philosoph, Universität Augsburg
Das künstlerische Schaffen von Manfred Reinhart zu charakterisieren, ist gar nicht so einfach, wie es auf Anhieb vielleicht scheint. „Klassisch" könnte man seine Arbeiten nennen, und damit auf seine Annäherungen an die Formensprache der Antike und der Renaissance anspielen; „traditionell", um das Festhalten des Künstlers an der wiedererkennbaren Gegenständlichkeit anzusprechen; „expressiv", um mit dieser Umschreibung die Ausdruckskraft und die Beseeltheit seiner Figuren zu benennen. Doch all diese Adjektive treffen nicht wirklich den Kern der Arbeiten von Manfred Reinhart, im Gegenteil: sie rücken sein Œuvre in das Licht eines konservativen Traditionalisten; doch genau das ist Manfred Reinhart nicht! Vielmehr ist er ein Künstler, der sich mit seinen Werken ganz im Fahrwasser unserer Zeit bewegt: ein Künstler, der die Moderne überwunden und – wie ich gleich aufzuzeigen versuche – zu einem neuen Verständnis der Gegenwartskunst gefunden hat, einer Gegenwartskunst, die wir infolge der Verwerfung jener vormals geradezu kanonisch postulierten Forderung nach immer wieder neuen Innovationen zurecht als „Postmoderne" oder auch als „Nachmoderne" bezeichnen. Diese Epoche, deren Beginn etwa Ende der 70er Jahre des 20. Jhs. angesetzt wird, definiert sich nicht über das Erfinden bisher noch nie dagewesener Darstellungsformen, sondern sie definiert sich über das Aufgreifen und – das ist das Entscheidende daran – über das konstruktive Weiterentwickeln früherer Inventionen. So kam es beispielsweise unter dem Rückgriff auf die Malerei der Fauvisten zu der Malerei der Nouveau Fauves, der Neuen Wilden, oder unter dem Rückgriff auf die Skulpturen der Alten Meister zu einer neuen Figürlichkeit, die sich von dem vergeistigten Kunstbegriff einer ephemeren Materialhaftigkeit (erinnern wir uns an die Fettecken von Joseph Beuys oder an die gestrickten Skulpturen längst vergessener Kleinmeister) endgültig verabschiedete.
Es ist wohl wahr: Die Arbeiten von Manfred Reinhart tragen den Geist der Antike in sich. Das zentrale Thema seines Schaffens ist die menschliche Figur: mit außerordentlichem handwerklichen Können wiedergegeben, von perfekter Anatomie und von harmonischem körpersprachlichem Ausdruck. Manchmal bäumen sich seine Figuren auf und schwingen sie sich, einem Vogel gleich, in die Lüfte, manchmal sind sie in sich gebeugt oder verhalten sie sich mit stoischer Ruhe in kontemplativer Selbstversunkenheit. Bacchanten gibt es unter den Werken von Manfred Reinhart, venusartige Figuren und Flussgötter – das läßt uns an die Kunst der Griechen und der Römer denken; aber auch in Ketten gelegte Männerfiguren, was uns unweigerlich an Michelangelo erinnert und an dessen gefangene Sklaven. Doch die Antikenrezeption bei Manfred Reinhart ist keine adaptive, also keine, die das klassische Motivrepertoire blindlinks wiederholt, sondern sie ist ein durch das Auge der Postmoderne gefiltertes, zeitgenössisch durchdrungenes, nicht selten von tiefgründigen psychologischen Implikationen getragenes Aufgreifen der klassischen Darstellungsmuster, um daraus in einem weiteren Schritt schließlich eine völlig eigenständige, neue und individuelle Formensprache entstehen zu lassen.
Die eben erwähnten gefangenen Sklaven von Michelangelo liefern uns für das Verständnis der Werke von Manfred Reinhart einen Schlüssel: wohlgemerkt einen Schlüssel, nämlich einen von mehreren Gesichtspunkten, unter denen wir das Œuvre des Künstlers betrachten können. Was ich meine, ist das Prinzip des „Non-finito". Vielleicht kennen Sie einige der gefangenen Sklaven von Michelangelo aus Kunstbüchern oder haben Sie diese Arbeiten bereits im Louvre oder in Florenz mit eigenen Augen bewundern können. Es handelt sich um unfertige Skulpturen, die vielfach mißverstanden werden und die die Gemüter bis heute heftig erhitzen: Hatte sie der Künstler aus Zeitgründen nicht zuende gebracht oder hat er sie bewußt von rohem Stein umgeben belassen, um seiner Theorie bildlichen Ausdruck zu verleihen, daß eine Skulptur gewissermaßen „von Natur aus" bereits im Stein enthalten sei, und daß es die Aufgabe des Künstlers wäre, das naturgegebene Kunstwerk zu erkennen und mit Hammer und Meißel aus dem Stein zu befreien? „Gefangene Sklaven" ist eigentlich nicht der richtige Titel dieser Arbeiten. Zwar sind einige dieser Figuren von Michelangelo tatsächlich an Armen und Beinen gefesselt, doch nicht alle. Korrekt müsste es heißen „Im Stein gefangene Sklaven" – und jetzt wird uns auch klar, was Michelangelo mit seinen Werken meinte: nämlich im Marmor oder im Sandstein gebundene Figuren, die nur darauf warten, durch des Künstlers Hand befreit und zu virtuellem Leben erweckt zu werden. Pygmalion kommt uns in den Sinn, jener griechische Bildhauer, von dem Ovid berichtet, daß er eine von ihm aus Marmor gehauene Frauenfigur mit Hilfe der Götter zu einem menschlichen Lebewesen aus Fleisch und Blut erweckt habe.
Das Prinzip des Non-finito, also des absichtlich unvollendet belassenen Kunstwerks, findet sich nach Michelangelo erst bei Rodin wieder, im 20. Jahrhundert dann bei Brancusi (allerdings ganz anders, nämlich auf abstrakter Ebene) und später bei Alfred Hrdlicka oder – wie im vergangenen Jahr auf der Artbreit zu sehen, an der auch Manfred Reinhart teilgenommen hat – bei Bärbel Dieckmann. „Antikenrezeption ja", könnte man über die Werke von Manfred Reinhart sagen, „aber im Gewand der Postmoderne": nämlich in konsequenter Weiterführung der Bildsprache der alten Meister als zielgerichtetes Stehenlassen des rohen Ursprungsmaterials zur Verdeutlichung des Prinzips bildhauerischen bzw. plastischen Arbeitens.
Worin nun aber besteht die Weiterführung des „michelangelesken" (oder auch des „rodinschen") Non-finito bei Manfred Reinhart? Nun, das beginnt zunächst damit, daß Manfred Reinhart seine Skulpturen nicht so darstellt, als seien sie „in" dem verwendeten Ursprungsmaterial enthalten, wie es Michelangelo noch getan hat, sondern so, als würden sie sich „aus" dem verwendeten Ursprungsmaterial herausentwickeln. Sie sind zwar im Stein gebunden – in Marmor oder in Sandsteinblöcken – doch haben sie sich aus jener Materialbindung befreit und streben sie, hier sind wir wieder bei der Statuette der sich zum Flug erhebenden Frauengestalt, einem autonomen Eigenleben entgegen. Man könnte in den Darstellungen von Manfred Reinhart eine Metapher für die Befreiung des Individuums sehen, ein Akt der Selbstwerdung und der Selbstverwirklichung seiner Bildfiguren. Das ist ein sehr moderner Ansatz, der in dieser Form, in dieser Art der ikonographischen Umsetzung, sicher erst nach der Aufklärung und, wenn wir es auf eine gesellschaftspolitische Ebene heben möchten, erst in einem demokratisch verankerten Gesellschaftssystem möglich ist.
Das Non-finito ist Manfred Reinhart also nicht nur ein gestalterisches Stilmittel, nicht nur Hinweis auf eine postmoderne Kunstauffassung, die den ideologischen Intellektualismus der Moderne (erinnern wir uns an die plastischen Arbeiten der Concept-Art oder der Fluxus-Bewegung) zugunsten einer haptischen Greifbarkeit überwunden hat, das Non-finito ist ihm – und das ist das Entscheidende daran – zugleich auch inhaltliches Ausdrucksmittel. Daher ist es nur konsequent, daß Manfred Reinhart dieses Prinzip nicht nur auf die bildhauerischen Arbeiten aus Sandstein und aus Marmor anwendet, sondern auch auf seine plastischen Arbeiten aus Bronze. Auch dort finden wir solche bewußt „unvollendet" belassene Partien, die das Werk wie aus einem ungeordneten Chaos hervorgegangen erscheinen lassen, wie etwas, das – einem Gedankengebilde gleich – dem Amorphen und dem Ungestalteten (sprich: dem „Geist") entsprungen ist und erst durch den künstlerischen Akt des Formens leibhaftig geworden ist.
Doch Manfred Reinhart treibt das Prinzip des Non-finito noch wesentlich weiter: Meist gibt er die menschliche Figur nicht in ihrer körperbaulichen Gesamtheit wieder, sondern als Torso – ohne Arme, ohne Beine, oder ganz auf die Darstellung des Kopfes reduziert. Dies kann explizit geschehen, wie etwa bei dem geflügelten Liebespaar, das einem kubisch geformten, in diesem Sinne „abstrakt" gestalteten Würfel entspringt, oder aber – und jetzt wird's richtig raffiniert – als „motivische Implikation": nämlich durch einen langen schweren Mantel z.B., der den menschlichen Körper wie eine monolithische Stele erscheinen läßt (etwa die Arbeit mit dem Titel „Vermächtnis"). Auch das Entwachsen der Figur aus einem abstrakten, in die Höhe gezogenen Faltenwurf, wie es beispielsweise bei der Bronzearbeit „Engel" beobachtet werden kann, steht in diesem Zusammenhang einer motivisch umgesetzten gestalterischen Unvollendetheit. Solche Bilderfindungen wären zu Zeiten Michelangelos oder Rodins völlig undenkbar gewesen.
Kubistische Einflüsse und Einflüsse des Surrealismus werden dabei erkennbar. Bleiben wir zunächst bei der Skulptur „Vermächtnis": Dort mutiert der schwangere Bauch der Figur zur Weltkugel. Die Hände, die sie stützen, sind im Vergleich zur Figur überproportional vergrößert. Wir sprechen bei solchen maßstäblichen Divergenzen von einer sog. „Bedeutungsperspektive". Damit ist gemeint, daß solche Bildelemente, denen innerhalb des Gesamtgefüges eine besonders starke inhaltliche Bedeutung zukommt, proportional größer dargestellt werden als die übrigen Teile. Was Manfred Reinhart mit der Skulptur „Vermächtnis" zum Ausdruck bringen möchte, ist der Akt des Weitergebens von einer Generation an die nächste: des Weitergebens von Wissen, des Weitergebens unserer Umwelt, des Weitergebens unserer Religion, unserer Kultur, unserer Technik – kurz: des Weitergebens der Welt.
Oder schauen wir auf die Marmorskulptur „Insieme". „Insieme" ist italienisch und heißt auf deutsch „zusammen", „miteinander" oder auch „Einheit". Diese Arbeit erinnert durch die embryonale Haltung des Kindes an das Thema „Mutterschaft" und bezieht sich auf die nicht nur körperliche, sondern durch das körperliche Miteinander von Schutzsuchen und Schutzgeben vor allem auch geistige Symbiose der Generationen und auf deren spirituelle Einheit. Aus dem Kopf der Erwachsenenfigur entwächst jener symbolisch gemeinte Mantel, der beide Generationen in ihrer wehrlosen Nacktheit schutzgebend umgibt.
Von beinahe surrealistischer Ausprägung ist die Arbeit „Torso mit Hand". Dort bricht der Bauch eines männlichen Torsos auf, von wo aus sich ein Faltenwurf wie ein Sturzbach über den Unterleib ergießt. Mit festem Griff hält sich die athletisch durchgebildete Figur das aufwendig drapierte Textilstück vor den Unterleib, wobei sich der Stoff in den schroffen Kanten des Marmorblocks verliert. Auch der Hals des Torsos ist aufgebrochen. Aus ihm quellen weitere Stofffalten hervor, so daß es scheint, als sei der ganze Torso mit einem reich zerknitterten Gewebe ausgefüllt. Kontradiktorisch dazu verhalten sich der rippenunterlegte Brustbereich und der muskulöse linke Arm des Torsos. Diese Körperpartien wirken lebendig durchblutet, voller Fleischlichkeit und unterfüttert von einem anatomisch exakt beobachteten Knochen-, Muskel- und Sehnenspiel.
Auf ein kleines motivisches Detail möchte ich Ihre Aufmerksamkeit richten, dem wir bei den Werken von Manfred Reinhard immer wieder begegnen: nämlich auf das Motiv eines Knopfes. Verschiedentlich wirken die gegenständlich definierten Oberflächen – Stoff zumeist, Kleidungsstücke, bisweilen aber auch roh belassene Marmorstellen – wie durch einen Knopf, eine Niet oder einen Haltebolzen an der Figur befestigt. Fast glaubt man, würde man diese Knöpfe lösen, die Figur entkleiden und auf diese Weise von dem Ballast aller Äußerlichkeiten befreien zu können. Doch dem ist nicht so. Die Figur ist und bleibt ein unveränderlich in Stein gemeißeltes oder in Bronze gegossenes Kunstwerk – ein Artefakt, das allen virtuellen Mutationen zum Trotz für ewige Zeiten in jenem Stadium verharren wird, in dem sie uns der Künstler zeigt.
Das bringt mich auf einen weiteren Aspekt der Arbeiten von Manfred Reinhart: nämlich auf den Aspekt des „Work in Progress" – sinngemäß könnte man sagen: „Das Werk im Zustand seiner Veränderlichkeit" bzw. „Die Schaffung eines Werkes als prozessualer Vorgang". Dieser Aspekt des „Work in Progress" hat zwar durchaus mit dem Prinzip des Non-finito zu tun, darf aber nicht damit verwechselt werden. „Work in Progress" meint die gestalterische Betonung der Augenblickshaftigkeit des Zustands eines Werkes, das sich durch fortgesetztes Arbeiten durchaus weiter verändern ließe: und zwar in seiner Formensprache ebenso wie gegebenenfalls sogar in seiner inhaltlichen Bedeutung. Dadurch, daß ein Werk jedoch in eben jenem Zustand belassen wurde, wie wir ihn als Betrachter schlußendlich zu sehen bekommen, mit nicht mehr und nicht weniger daran ausgeführter Arbeit, erhält es eine bestimmte gestalterische, inhaltliche und auch ästhetische Bedeutung. (NB: Mit „ästhetisch" meine ich hier nicht „schön", wie es im Volksmund leider immer wieder gleichgesetzt wird, sondern mit „ästhetisch" meine ich hier im ursprünglichen Sinn das Beziehungsverhältnis und die Wechselwirkung der Formen und der Proportionen untereinander). Diese gestalterischen, inhaltlichen und ästhetischen Bedeutungen eines Werkes sind das Ergebnis sukzessiven Arbeitens und verändern sich mit zunehmendem, also progredientem Arbeiten nach und nach. Indem ein Künstler die Spuren seines Schaffens sichtbar stehen lässt, er die Scharrierungen, die Kerben und die Absprengungen, die durch Handeisen, Meißel und Steinmetzwerkzeuge entstanden sind, ablesbar erhält, wird dem Betrachter dieser Werke die Wucht des Arbeitens bewußt: der sukzessive (sprich: prozessuale) Ablauf des Entstehens einer Skulptur, der physische Kraftaufwand, der zu ihrer Ausführung notwendig ist und die technische und handwerkliche Könnerschaft des Künstlers, die ihn schließlich zur Ausführung seines Bildwerks befähigen. Es wird dem Betrachter aber auch klar, daß die handwerkliche Ausführung – zu Ende gebracht oder nicht – nur einen Aspekt des künstlerischen Schaffens ausmacht.
Der andere, weitaus wichtigere Aspekt, ist nicht das handwerkliche Können, sondern sind das Motiv und seine inhaltliche Bedeutung – also das, was Platon einmal als die „Idea" eines Werkes bezeichnet hat, als Idee, als die inhaltliche Botschaft, die ein Künstler mit seiner Arbeit an den Betrachter weitergeben möchte. Die „Idea" ist schließlich das, was ein bedeutendes Kunstwerk ausmacht; das Handwerk hingegen ist lediglich Mittel zum Zweck. Darin unterscheidet sich Kunst von Nicht-Kunst oder, wenn Sie so wollen, Kunst von Kunsthandwerk: nämlich durch ihren philosophischen, inhaltlich anspruchsvollen und intelligent zur Anschauung gebrachten Bedeutungsgehalt.
Vieles mehr gäbe es über die Arbeiten von Manfred Reinhart zu sagen: Über den Unterschied zwischen Plastik und Skulptur, über die Eigentümlichkeiten und Besonderheiten von Marmor, Sandstein und Bronze; überhaupt über die Herstellung einer Bronzeplastik nach dem Wachsausschmelzverfahren. Wir müssten uns über den Faktor „Zeit" unterhalten, der bei einem Bronze- und Steinbildhauer eine völlig andere Rolle spielt als etwa bei einem Maler oder Zeichner. Es wäre darüber zu reden, wie Manfred Reinhart seine Materialien auswählt, wie er mit ihnen spielt – schauen Sie sich dazu einmal die Marmorierung der vierteiligen Arbeit „Denker" an und wie sich die Äderung des Steins von einer Büste zur nächsten fortsetzt – , vor allem aber auch darüber, was für ein Weltbild, was für ein Menschenbild und welche geistige Inhalte hinter den einzelnen Arbeiten des Künstlers stehen, insbesondere dann, wenn sie einen auf Anhieb nicht ganz verständlichen Titel tragen, wie etwa im Falle des „Mittlers". Doch ich muß es mit den hier gemachten Andeutungen bewenden lassen und möchte Sie gerne einladen, sich im Anschluß an diese Eröffnungsfeier die Werke von Manfred Reinhart in aller Ruhe anzusehen. Nutzen Sie die Gelegenheit und sprechen Sie mit dem Künstler. Stellen Sie ihm Ihre Fragen, haken Sie nach, diskutieren Sie mit ihm – er wird Ihnen in Ihren Gesprächen sicher gerne Rede und Antwort stehen.

Bronzeplastik
"Die Liebenden"

Auszug aus der Rede von Dr. Matthias Liebel, Kunsthistoriker
anlässlich der Eröffnungsfeier des Kunstprojekts
"Kunststück 2013" in der Galerie des Künstlers

© 2013, Dr. Matthias Liebel
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